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⯈  Säuregehalt bestimmen

Wie kann ich den Säuregehalt meines Essigs selbst bestimmen?

02. 02. 2020

Maßanalyse

Allgemeines zur Herstellung von Essig

Wie in meinem letzten Beitrag bereits erwähnt, ist für die Herstellung von qualitativ hochwertigem Essig die ständige Kontrolle von einigen Parametern erforderlich.

Neben der Temperatur und dem Sauerstoffangebot, sollte die Entwicklung des Essigsäuregehalts in der sog. Maische wiederholt beobachtet werden. Während die Temperatur mit entsprechenden Digitalthermometern relativ einfach kontrolliert werden kann, ist die Bestimmung des Säuregehalts etwas aufwändiger.

In der folgenden Anleitung erkläre ich, wie man den Säuregehalt von Essig selbst bestimmen kann.

Folgende Grundvoraussetzungen sollten Sie von Beginn an beachten:

Bei der Bestimmung des Säuregehaltes handelt es sich um eine chemische Analysemethode, die besondere Vorsicht gebietet.

Die Chemikalien die verwendet werden sind in irgendeiner Weise für den Menschen schädlich. Es ist daher erforderlich die allgemeinen und besonderen Laborregeln zu beachten und vorbeugend Schutzmaßnahmen zu treffen.

Achtung

Die Analysemethode mit der man den Säuregehalt des Essigs selbst bestimmen kann, nennt man Titration oder Maßanalyse. Dabei wird der Säuregehalt des Essigs durch den Verbrauch einer sog. Maßlösung mit bekannter Konzentration berechnet. Als Maßlösung dient im Normalfall 1-molare Natronlauge.

Diese Analysemethode erfordert den Indikator Phenolphthalein bei deren Verwendung besondere Vorsicht geboten ist. Phenolphthalein ist ein sogenannter pH-Indikator, der seine Farbe in Abhängigkeit des pH-Werts der Flüssigkeit ändert. Im sauren und neutralen Bereich (pH-Wert von 0 bis 8,2) ist dieser Indikator farblos. Ab einem pH-Wert von 8,2 schlägt die Farbe von farblos in rosa um. Daher eignet sich dieser Indikator gut für die Titration von schwachen Säuren mit starken Laugen, weil hier der Äquivalenzpunkt ebenfalls im alkalischen Bereich liegt. Der Äquivalenzpunkt ist jener Punkt, bei dem eine bestimmte Stoffmenge Säure mit der entsprechenden Stoffmenge Base neutralisiert wurde.

Was Sie für die Bestimmung der Essigsäure benötigen:

Ausrüstungsgegenstände

  •  Schutzbrille

  •  Bürette

  •  Vollpipette 10 ml

  •  Erlenmeyerkolben 250 ml

  •  Peleusball

  •  Magnetrührer

  •  Magnetrührstäbchen

Laborglas

Chemikalien

  •  Phenolphtalein

  •  Natronlauge-Maßlösung (1 mol/l)

  •  Destilliertes Wasser

Messvorgang

Da die verwendeten Messgeräte auf eine Temperatur von 20°C geeicht sind, müssen alle verwendeten Chemikalien und auch der Essig auf eine Temperatur von 20°C erwärmt bzw. abgekühlt werden.

Da sich bei der Fermentation von Essig Trubteile oder sonstige Schwebstoffe bilden können, sollte der Essig vor der Analyse gefiltert werden. Dies kann im einfachsten Fall mit einem Kaffeefilter erfolgen.

Auf die Vollpipette wird nun der Peleusball oder eine sonstige Pipettierhilfe aufgesetzt.

Die gereinigte und trockene Vollpipette wird vor Beginn der Analyse mit dem Essig bis über den Markierungsring mit Essig befüllt und wieder geleert. Dadurch können etwaige Reste von Wasser oder dergleichen beseitigt werden.

Mit der so „neutralisierten“ Vollpipette werden nun exakt 10 ml des gefilterten, 20°C warmen Essigs in den Erlenmeyerkolben vorgelegt. Nach der Vorlage des Essigs wird der Erlenmeyerkolben bis ungefähr zur Marke 100 ml mit destilliertem Wasser befüllt. Nun werden drei bis vier Tropfen Phenolphthalein in den Erlenmeyerkolben eingetropft.

Nun wird der Erlenmeyerkolben mit dem verdünnten Essig und dem Indikator auf den Magnetrührer gestellt und ein Magnetrührstäbchen dazugegeben. Der Magnetrührer mit dem Magnetrührstäbchen sorgt für eine ständige Durchmischung des Essigs.

Nach dem Einschalten des Magnetrührers wird dem verdünnten Essig die Maßlösung Natronlauge (1 mol/l) tropfenweise mit der Bürette beigefügt. Dieser Vorgang wird so lange durchgeführt bis sich die Flüssigkeit im Erlenmeyerkolben in dem Bereich wo der Tropfen in die Flüssigkeit eintaucht rosa verfärbt. Ab diesem Zeitpunkt muss die Zugabe der Maßlösung noch vorsichtiger erfolgen.

Das kurze Video zeigt den Verlauf der Titration bis zum Umschlagspunkt.

Der sogenannte Äquivalenzpunkt ist erreicht, wenn sich die gesamte Flüssigkeit im Erlenmeyerkolben etwa eine Minute schwach rosa einfärbt. Nun darf keine Maßlösung mehr zugefügt werden. An der Bürette wird nun der Verbrauch der Maßlösung abgelesen.

Auswertungsbeispiel

Verbrauch Maßlösung Natronlauge (1 mol/l) = 8,7 ml

Essigsäuregehalt = 8,7 * 0,6 = 5,22 %

Mit dieser einfachen Analysemethode kann man den Säuregehalt des selbst produzierten Essigs selbst bestimmen.

Für weiterführende Informationen zur Durchführung der Analyse, zu Bezugsquellen von Ausrüstungsgeständen und von Chemikalien sowie zu einfachen Auswertungsprogrammen stehe ich gerne zur Verfügung.

Schreiben Sie uns einfach ein Email an: office@die-obstveredler.at

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